• Effizienter Einbruchschutz muss nicht teuer sein

Effizienter Einbruchschutz muss nicht teuer sein

24.01.2019 TOBIAS CHI, Journalist, Zürich

Oft genügen einfache Massnahmen, um Einbrecher abzuschrecken. Diese sind am wirkungsvollsten, wenn sie individuell auf das Objekt und die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sind.

Trotz intensiver Präventionsarbeit der Polizei sind Einbrüche in der Schweiz leider immer noch ein blühendes Geschäft. Für das Jahr 2017 verzeichnet das Bundesamt für Statistik 12 306 Einbruchdiebstähle in Mehrfamilienhäusern sowie 7104 in Einfamilienhäusern. Obwohl die Zahlen gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig sind, sollte man als Wohneigentümer Massnahmen treffen, um ungebetenen Gästen das Leben so schwer wie möglich zu machen. 

Gerade in der dunklen Jahreszeit nimmt die Zahl der Einbrüche zu. Die frühen Abendstunden, wenn viele noch nicht zu Hause sind, werden gerne für Dämmerungseinbrüche genutzt. «Einbrecher suchen immer den einfachsten Weg, um in ein Haus oder in eine Wohnung zu gelangen», sagt Marcel Graf von der Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich. «Oft genügt ein einfaches Hebelwerkzeug wie zum Beispiel ein Schraubenzieher, um ein Fenster, eine Balkon- oder eine Terrassentür aufzuwuchten.» Fehle ein sogenannter Schutzbeschlag, würden auch gerne Schliesszylinder abgebrochen oder Schliessbleche aufgebohrt. Seltener werde Glas eingeschlagen oder ein Balkon erklettert.

Schutz den persönlichen Bedürfnissen anpassen

Einbrecher nutzen alle sich bietenden Gelegenheiten. Wenn beispielsweise Pflanzen oder Sichtschutzwände ein Objekt verdecken, hat das auf Einbrecher eine einladende Wirkung, weil sie so geschützt und ungestört über längere Zeit arbeiten können. Noch einladender ist es natürlich, wenn Fenster- oder Balkontüren offen stehen oder ein Fenster gekippt ist; Hausbewohner sollten sich das bewusst machen und die Innenräume am besten immer einem Kontrollgang unterziehen, bevor sie ausser Haus gehen.

Auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit gibt, kann dennoch viel unternommen werden, um seinen Wohnraum gegen Einbrüche zu schützen. Dabei kommt es laut Marcel Graf auf das individuelle Sicherheitsbedürfnis an. Jeder solle für sich überlegen, welche Schutzmassnahmen den persönlichen Bedürfnissen entsprechen und für ihn verhältnismässig und wirtschaftlich erscheinen. Oft genügen schon einige einfache Massnahmen, um dieses Ziel zu erreichen. Dabei ist es hilfreich, sich in die Situation von Einbrechern zu versetzen. Grundsätzlich handelt es sich um scheue Wesen, die nicht gesehen werden und auch niemandem begegnen wollen, so Graf. «Sie scheuen Lärm, Aufwand, Komplikationen und bei Dunkelheit das Licht.»

Nachbarschaftshilfe ist wichtig

Vor diesem Hintergrund können Massnahmen getroffen werden, für die es keine Handwerker braucht, die nichts kosten, sofort umsetzbar und dennoch wirkungsvoll sind. Laut Marcel Graf ist das zum Beispiel eine gute Nachbarschaft, die ein wachsames Auge auf die Umgebung wirft. Werden ein verdächtiges Verhalten, ein verdächtiges Fahrzeug und Lärm im Quartier festgestellt, sollte man sofort die Polizei verständigen (Tel. 117). Diese ist im Rahmen einer laufenden Aktion zur Bekämpfung der Einbruchskriminalität mitunter gar in unmittelbarer Nähe. Mit Hinweisen aus der Bevölkerung kann es gelingen, Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen.

Auch ein leerer Briefkasten oder das Zurückschneiden von Hecken senken das Risiko eines Einbruchs bereits beträchtlich. Dann gibt es einfache und kostengünstige technische Hilfsmittel wie eine Zeitschaltuhr oder einen Licht-Bewegungsmelder, welche die Anwesenheit der Bewohner vortäuschen. Wer ausserdem bereit ist, gewisse Investitionen in die Einbruchshemmung zu tätigen und mögliche Schwachstellen an der Aussenhülle eines Einfamilienhauses zu sichern, reduziert das Risiko zusätzlich. Je mehr mechanische Sicherheitseinrichtungen gut sichtbar vorhanden sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit eines Einbruchs.

Schwachstellen von Experten ermitteln lassen

In manchen Fällen ist es sinnvoll, eine Alarmanlage zu installieren – etwa um verdeckte Stellen zu sichern, an denen ein Einbrecher ungestört über längere Zeit arbeiten kann, oder wenn das Objekt allgemein attraktiv oder abgelegen ist. Elektronische Massnahmen darf man jedoch nicht unterschätzen, warnt Marcel Graf. Denn sie bedürfen einer regelmässigen Wartung und müssen immer auf dem neuesten Stand sein. Die Zukunft könnte Anlagen gehören, die per App via Smartphone bedient werden und über die man zentral Fenster, Türen, Rollläden, Licht, Kameras etc. steuern kann. Doch auch sie sind nicht frei von Risiken, sagt Graf, weil Software sabotiert werden und Sicherheitslücken aufweisen kann.

Am effizientesten sind Schutzmassnahmen, die individuell auf das Objekt und die Bedürfnisse der Bewohner abgestimmt sind. Um diese zu ermitteln, können unabhängige Experten herangezogen werden. So bietet zum Beispiel die Präventionsabteilung der Kantonspolizei Zürich eine Schwachstellenanalyse für Wohneigentümer an. Mit digital gestützten und auf individuelle Bedürfnisse abgestimmten Beratungen ermitteln Spezialisten, wie man mit geeigneten Massnahmen das Risiko, Opfer eines Einbruchs zu werden, entscheidend vermindern kann. Die Schwachstellen werden in einem Sicherheitsplan erfasst und entsprechende Massnahmen zu deren Behebung empfohlen. Über den Sicherheitsplan finden sich Anbieter zertifizierter einbruchshemmender Produkte, welche die persönliche Sicherheitsplanung unterstützen und die Empfehlungen kompetent umsetzen können.

WEITERE INFORMATIONEN ZUM THEMA EINBRUCHSCHUTZ

Hier gelangen Sie an die Sicherheitsexperten Ihrer Kantonspolizei. Lassen Sie an Ihrem Objekt eine Schwachstellenanalyse durchführen, um ein Einbruchsrisiko entscheident zu vermindern.